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Volksstärke beurteilen

Auch im Merkblatt 4.7 Völkerbeurteilen und auslesen wird darauf hingeweisen, dass Völker als stark oder schwach beurteilt werden sollen. Für Jungimker sind klare Kriterien hilfreich und für wissenschaftliches Arbeiten absolut notwendig. Hier ein Versuch ein paar Hinweise zu geben.

Volksstärke schätzen

Um die Entwicklung von Bienenvölkern genau verfolgen zu können, schätzen Wissenschaftler die Volksstärken mit der sogenannten Liebefelder Schätzmethode. Das Vorgehen zum Schätzen der Volksstärke nach der Liebefelder Schätzmethode ist relativ einfach und kann jeder Imker erlernen.

Dr. Liebig zeigt hier am Beispiel des Zander Magazins wie es geht.

Pro Seite (130 pro dm2):

  • Zander 1000 Bienen
  • Dadant BW 1400 Bienen
  • CH Kasten BW 1200 Bienen

Beurteilung der Volksstärke

Es gelten gemäss Agroscope: Volksentwicklung bei der Honigbiene (Tabelle 5 auf Seite 73) die folgenden Kennzahl für die Anzahl Bienen:

  • Einwinterungspopulation: 8000 – 15000
  • Normaler Winterverlust: 2000 – 3000
  • Auswinterungspopulation 5000 – 13000
  • Populationsspitze im Sommer 25000 – 40000
  • Aufgezogene Jungbienen pro Saison 130000 – 200000

Ein Volk das mit weniger als 5000 Bienen auswintert kann somit als schwach bezeichnet werden. Dies sind bei einem Dadant Magazin weniger als 2 Wabengassen (3,5 Seiten) und beim CH-Kasten 4 Seiten von Brutwaben voller Bienen.

Brut schätzen

Die Schätzung der Brut kann mit der gleichen Methode wie die Volksstärke und auch gleichzeitig wie die Volksstärke erfasst werden.

Auf einem dm2 haben bis zu 400 Zellen mit einem Durchmesser von 5,4 mm platz. Somit lässt sich die Anzahl Zellen pro Seite einer Brutwabe abschätzen:

  • Dadant: ca. 11 dm2 = ca. 4'400 Zellen somit 550 Zellen auf einem Achtel der Seite
  • CH-Kasten: ca. 9 dm2 = ca. 3'600 Zellen somit 450 Zellen auf einem Achtel der Seite
  • Zander: ca 8 dm2 = ca. 3'200 Zellen somit 400 Zellen auf einem Achtel der Seite

Beurteilung der Brut

Nach der Paarung ist die Königin dazu fähig, ein Ei pro Minute zu legen. Dies entspricht 1.000 bis 1.440 Eiern pro Tag. In Spitzenzeiten sind sogar Maximalwerte von bis zu 2.000 Eiern möglich.

Bei einer Brutzeit von 21 Tagen für Arbeiterinnen sind somit in einem Volk maximal 42'000 Brutzellen belegt. Mit der aktuellen Grösse der Brut kann die durchschnittliche Legeleistung der Königin der letzten 21 Tage abgeschätzt werden.

Die maximal benötige Fläche lässt sich auch als maximale Anzahl von benötigten Brutwaben (BW) ausdrücken. Für einen angepassten Brutraum sollten noch 1-2 zusätzliche Brutwaben für Pollen und Reserve gegeben werden:

  • Dadant: ca. 4'400 Zellen somit 5 zweiseitige BW plus Reserve sind 6-7 BW
  • CH-Kasten: ca. 3'600 Zellen somit 6 zweiseitige BW plus Reserve sind 8 BW
  • Zander: ca. 3'200 Zellen somit 7 zweiseitige BW plus Reserve sind 9-10 BW

Futter schätzen

volksstaerke_beurteilen.txt · Zuletzt geändert: 2021/05/01 08:10 von felserm